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Die ZU und ihre Studierenden



Name: Elisabeth Hahnke
Alter: 24
Studiengang: MA CCM k
Semester: 4


Seit ihrem ersten Studienjahr ist Elisabeth Hahnke sozialunternehmerisch unterwegs. So hat sie mitgearbeitet bei dem sozial- und kulturpolitischen Eventprojekt „Breaking the Ice“, dessen Zielsetzung es ist, Vertreter miteinander im Konflikt stehender Volksgruppen und Nationalitäten bei einer Reise in Extremgebieten zusammenzubringen, und für dieses internationale Projekt das Marketingkonzept miterstellt. Um die Nachhaltigkeit der jungen Non-Profit-Organisation zu unterstützen, hat sie sodann mit Kommilitonen das Projekt „Crossing Cultures“ in Magdeburg initiiert und als Teamleitung ein Jahr begleitet. Die Arbeit mit einer neunten Klasse zum Thema „Interkulturellen Verständigung“ machte ihr Lust auf mehr, und so ging es mit dem Ashoka-Projekt „Dream it! Do it!“ während ihres Masterstudiums an der ZU weiter - das Projekt wurde schließlich im Wettbewerb „Deutschland - Land der Ideen“ preisgekrönt.

Gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Christina Veldhoen initiierte Elisabeth Hahnke Ende des Jahres 2008 das Projekt „Rock your Life!“, das sie mit zehn weiteren Studierenden konzeptionell weiter entwickelten und nun gemeinsam als zwölfköpfiges Gründungsteam in einen Verein überführen. Das Projekt ermöglicht Eins-zu-Eins-Coachingbeziehungen zwischen Hauptschülern und Studierenden. Ein Unternehmensnetzwerk bietet Praktika und Ausbildungsmöglichkeiten für Hauptschüler. Mittlerweile haben sich in Friedrichshafen mit Hilfe der ZU-Studierenden 50 Coachingbeziehungen erfolgreich gebildet. Das Projekt wurde mit dem HypoVereinsbank-Stipendium ausgezeichnet, und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat die Schirmherrschaft übernommen. In einem nächsten Schritt wird das Projekt in anderen Universitätsstädten umgesetzt.

Neben den sozialunternehmerischen Aktivitäten ist Elisabeth Hahnke begeistert von Wissenschaft und Forschung und so für die Siemens AG in München und Princeton NJ forscherisch zu den Themen des Wissensmanagement und sozialer Netzwerke tätig gewesen. Kreativität und Denken in Unsicherheiten machen für sie seit jeher einen ganz besonderen Reiz aus, und deshalb hat sie neben ihren anderen Aktivitäten im Bereich der Innovationsberatung als Ideenentwicklerin für verschiedene Unternehmen, wie die Brose KG oder die Siemens AG, gearbeitet und wurde in Ideen- und Kreativtechniken sowie der Konzeption von Ideenworkshops von der Zephram GbR ausgebildet.
Elisabeth Hahnke ist Vollstipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung sowie Stipendiatin der ZU.



| Die Zeppelin Universität hat diesmal Sie als besonders eigenwilligen Studierenden ausgewählt. Ist das in irgendeiner Weise überhaupt berechtigt?

Anzunehmen! Eigenwillig zu sein setzt zunächst voraus, von den kulturellen Erwartungen, die in sozialen Kontexten an uns gestellt werden, zu abstrahieren und zu schauen: Was bleibt da wirklich von mir übrig wenn ich mich ganz auf mich zurück werfe, welchen Beitrag will ich in dieser Welt leisten und wie will ich leben? Und das ist eine spannende Erfahrung, kulturell oder individuell gesetzte Grenzen verstehen und erweitern zu lernen. Wenn wir konstruktivistisch argumentieren, können wir zwischen Wissen und Glauben nicht mehr unterscheiden. Eine unglaublich spannende Irritation! Die Glaubenssysteme, mit denen ich in Berührung komme, wissenschaftlich, gesellschaftlich oder persönlich, betrachte ich mit neugieriger Distanz, weil aber bestimmte Annahmen über das Funktionieren von Mensch und Welt kulturell vorherrschend sind, heißt das nicht, dass ich sie mir zu eigen machen muss. In diesem Sinne bin ich willig, meinen eigenen Weg zu kreieren.

| Wenn Sie sich selbst mit sieben Worten beschreiben sollten, dann wären dies…

fröhlich, mutig, kreativ, neugierig, visionär, unternehmerisch, gewissenhaft

| … und die ZU in sieben Worten?

ermöglichend, intensiv, irritierend, fördernd, anstrengend, flexibel, interessiert

| Inwieweit hat die ZU ihre Eigenwilligkeit unterstützt bzw. nicht verhindert?

Die ZU als Institution hat ja gar kein Interesse, meine Eigenwilligkeit zu verhindern. Sie will ja selbst eigen sein, und dass funktioniert in sozialen Settings nur in der Toleranz gegenüber der Eigenwilligkeit der anderen. Es ist dennoch nicht leicht, an einem derart intensiven Bildungsort den gängigen Theorien zu „entkommen“ und in eigener Reflexion sich ein eigenwilliges Bild der Funktionsweise unserer Welt zu machen, theoriefundiert aber nicht ideologisch. Jede Zusammenkunft von Menschen hat einen kollektiv vereinnahmenden Charakter, in dem bestimmte Rahmen und Erwartungen davon entstehen, wie das individuelle Verhalten je auszusehen hat. Dem entkommt die ZU auch nicht, sonst wäre sie kein soziales System. Man muss sich auf bestimmte Kommunikationsweisen einigen. Allerdings hat die ZU, anders als viele andere mir bekannte Institutionen, den Zweifel längst mit eingebaut. Die ZU operiert nämlich auch auf der anderen Seite der Unterscheidung von Festlegungen, Wissen und Sicherheit, also mit Zweifel, Ungewissheit und Nichtwissen. Genau das ist der Unterschied, den die ZU meiner Beobachtung nach in der Bildungskarriere eines Studierenden leisten kann: mutig mit Unschärfen umzugehen und Kreativität zuzulassen.

| Was war Ihre wichtigste Überraschung in Ihrem bisherigen Studium?

Die Annahme, dass wir im Denken und Handeln unsere Realität gestalten. Die Implikationen, die daraus folgen, für die Umstände des eigenen Lebens vollkommen verantwortlich zu sein und die Lust an Gestaltung, die sich daraus ergibt.

| Und welche Frage ist noch immer unbeantwortet?

Ob sich die Welt helfen lassen will?

| Wem genau würden Sie von einem Studium an der ZU abraten?

Niemandem, denn wenn man die ZU nutzt, wie die ZU genutzt werden will, kann das ein Ort für Grenzüberschreitung werden, individuell, theoretisch und unternehmerisch. Man muss es sich und der ZU nur zutrauen. Und wem kann ich davon abraten?

| … und wem eines empfehlen?

Im Umkehrschluss allen, denn einen Rahmen für Entwicklung, Visionen und Wandel brauchen wir alle.

| Was dürfen wir von Ihnen noch erwarten – nach dem Studium?

Erwarten dürfen Sie alles...





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geändert: 25.06.2009